Warum psychische Probleme durch die Suche von Ursachen aufrechterhalten werden

Warum psychische Probleme durch die Suche von Ursachen aufrechterhalten werden
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Du bist der Meinung, ohne Klärung der Ursachen sind innere Konflikte, psychische Krisen und widerkehrende Probleme nicht zu lösen?

 

Hier erfährst du, weshalb die systemische Beratung/Therapie auf die Ursachenforschung keinen Wert legt und gerade durch den direkten Fokus auf die Lösung so wirksam ist.

 

Kritiker werfen dem systemischen Ansatz vor, dass keine grundlegende Theorie entwickelt wurde, wie die menschliche Psyche tickt und wie Störungen entstehen.

 

Aber was ist schlimm daran, wenn es wirkt? 

Denn die systemische Therapie ist so erfolgreich, dass du Berater und Therapeuten in allen Einrichtungen des sozialen Bereichs antriffst. Beratungsstellen, psychologische Praxen, Kliniken, Rehaeinrichtungen, Kinder- und Jugendheime, Kindergärten, Jugendtreffs usw. legen einen sehr großen Wert darauf, dass sie Mitarbeiter mit Kenntnissen in systemischer Beratung/Therapie beschäftigen. 

Und das hat sich so entwickelt, obwohl der systemische Ansatz erst in den 1970‘er Jahren, also viel später als die Psychoanalyse und Verhaltenstherapie, entstanden ist.

Warum die Ursachensuche verständlich ist, aber nur Zeit kostet

Das Bedürfnis, sich alles erklären zu können, hat auch mit unserem Denken in Ursache-Wirkung-Zusammenhängen zu tun. Die Menschheit hat es dadurch weit gebracht, schließlich gäbe es ohne dieses Denken z. B. keine Computer. Doch bezogen auf zwischenmenschliche Problemlösungen vereinfacht dieses Denken den Weg nicht, sondern macht ihn besonders schwerfällig. Zwischenmenschliche Konflikte und innerpsychische Probleme sind zu vielschichtig. Wir sind schließlich keine Maschinen, sondern viel komplexer.

 

Unser Denken, Fühlen und Verhalten wird von so vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Wir stehen mit anderen in Beziehung. So verhalten wir uns bei der einen Person völlig anders als bei einer anderen. Erfahrungen sind ebenfalls eine gewichtige Grundlage für unsere Handlungen. Wie du deine Erfahrung bewertest, hängt sehr von deiner jetzigen Situation und Stimmung ab. Und diese Bewertung wird dein weiteres Verhalten beeinflussen.

 

Wenn es dir z. B. von der Stimmung her gerade gut geht, wirst du dich eher an frühere Erfolge und deine Fähigkeiten erinnern. Du wirst dich eher als kompetent einschätzen, zuversichtlich und motiviert loslegen und Probleme als Herausforderungen ansehen. Dein Selbstbild wirst du als real und wahr ansehen.

 

Anders sieht es dagegen aus, wenn du keinen Rückhalt von anderen verspürst, du gerade durch einen Misserfolg geknickt bist und es dir sowieso gesundheitlich nicht gut geht. Dann kann es eher sein, dass du dich nicht traust, ein Problem anzugehen. Du wirst mehr an deinen Fähigkeiten zweifeln. Dieses negativere Denken wirst du ebenfalls als wahr ansehen. Denn "Wahrheit ist immer das, was wir als Wahrheit betrachten" (Watzlawick, P., (Hrsg,): Die erfundene Wirklichkeit. Piper-Verlag, München 1981).

Und auch beeinflussen dich Eigenschaften, die Genetik kann eine Rolle mitspielen, deine Erziehung, Erwartungen  im Sinne des psychologischen Modells der „sich selbst erfüllenden Prophezeihung“ ebenso und und und….

 

In meinem langen Psychologiestudium habe ich eine Unmenge an Studien kennen gelernt, welche die Ursache für eine bestimmte psychische Erkrankung feststellen wollten. Es konnte nie eine einzige Ursache dingfest gemacht werden.

 

Jeder Mensch ist individuell, d. h. bei jedem kann ein anderes komplexes Zusammenspiel von verschiedenen Ursachen eine Rolle spielen. Und all die vielen Ursachen wirken auch noch auf unterschiedlicher Weise zusammen. Ganz im Sinne von Aristoteles:

 „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“

Wenn du nach der Ursache suchst, weshalb du dich heute in bestimmten Situationen so verhältst wie du dich verhältst, dann kannst du lange in der Vergangenheit graben. Und diese lange Suche, ob die Henne oder das Ei zuerst da war, wird dich keinen Schritt näher an die Lösung deiner Probleme bringen.

 

Selbst wenn du es rausbekommen könntest, die Vergangenheit kannst du nicht mehr ändern. Wenn z. B. etwas Schlimmes in deiner Kindheit passiert ist, dann könnte das zwar erklären, weshalb du heute ein so vorsichtiger Mensch bist. Doch wenn du heute mehr Sicherheit spüren willst, hilft dir dieses Wissen auch nicht weiter. Hilfreicher wäre für dich zu erkunden, wie du dir jetzt Sicherheit geben kannst. Die Lösung deiner Probleme und Schwierigkeiten liegt somit nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart und Zukunft. Deshalb konzentriert sich die systemische Beratung auf dein gegenwärtiges Befinden, deine Bedürfnisse, Wünsche und Ziele sowie deine Fähigkeiten diese zu erfüllen.

Wie dich systemische Beratung/Therapie schneller zum Ziel bringt

Natürlich werden in der systemischen Therapie auch Zusammenhänge betrachtet, jedoch nicht mit der Haltung, dass der Therapeut die Ursache ergründen kann oder will.

 

So können z. B. Methoden wie die Genogrammarbeit genutzt werden, um die Familiengeschichte und somit wichtige Ereignisse zu beleuchten. Das Ziel ist aber dabei, die Fähigkeiten und Stärken herauszuarbeiten, die zur Bewältigung von kritischen Ereignissen in der Vergangenheit geführt haben, um sie für die heutigen Problemlösungen nutzbar zu machen. Auch wird der Unterschied zwischen den damaligen Problemen und der heutigen Situation verdeutlicht. So warst du z. B. als Kind in einer ganz anderen und viel abhängigeren Situation als das heute der Fall ist. Jetzt hast du andere Möglichkeiten und musst auf die kindlichen Schutzmechanismen nicht mehr zurückgreifen.

 

Die systemische Therapie hat auch deshalb keine grundlegende Theorie über die menschliche Psyche und die Entwicklung von Störungen gebildet, weil dies den Grundgedanken der systemischen Therapie widersprechen würde. Ein systemischer Berater/Therapeut arbeitet mit dir auf gleicher Augenhöhe, d. h. er weiß auch nicht mehr über die Psyche als du. Im systemischen Ansatz wirst du als fähige und kompetente Person angesehen, welche die Lösung der Probleme schon in sich trägt, und ihren Blick darauf nur verstellt hat. Systemische Berater/Therapeuten wissen nicht mehr als du über das Problem und seine Lösung. Sie sind aber in den Suchweisen ausgebildet, um den dir innewohnenden Lösungen auf die Spur zu kommen. Und weil die Sichtweise des halb vollen Glases (auf deine Fähigkeiten) statt auf das halb leere Glas (deine Schwächen) vorherrscht, interessieren sich systemische Forscher auch nicht für die Theorie der Entwicklung von Störungen.

Wie du die Wirksamkeit des systemischen Ansatzes schnell und einfach erleben kannst

Wenn du schon oft deine Probleme durch Ursachensuche lösen wolltest und nicht zum Ziel gekommen bist, möchte ich dir eine typische systemische Empfehlung geben: Mach etwas anderes! Denn bei Misserfolg führt ‚mehr desselben‘ selten zum Ziel.

 

Vertraue einer der jüngsten und erfolgreichsten Beratungs- und Therapieformen. Probiere systemische Anregungen zur Selbstreflektion aus. Vielleicht in dem du ein kleines Buch darüber liest. Einen leicht verständlichen und humorvollen Einblick gibt zum Beispiel Jürgen Hargens in „Bitte nicht helfen, es ist auch so schon schwer genug. (K)ein Selbsthilfebuch.“ und auch in dem Buch „Systemische Therapie …und gut. Ein Lehrstück mit Hägar“.

 

Eine gute Möglichkeit, die vielschichtigen und äußerst intensiven Anregungen durch die systemische Beratung und Therapie zu erleben, bieten auch Workshops zu systemischen Aufstellungen. Du wirst feststellen, dass diese Methode sehr tief wirken kann. Was du bei solchen Aufstellungen beachten solltest, kannst du hier in meinem Blogartikel "Kann ich meine Konflikte mit einer systemischen Aufstellung bei einem Psychologen lösen" nachlesen.

Was haben diese Informationen bei dir bewirkt? Hinterlasse mir hier unten gerne einen Kommentar.

 

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