Hat unsere Beziehung noch eine Chance?

Hat unsere Beziehung noch eine Chance?
(Bildquelle: pixabay.com)

Deine Partnerschaft besteht schon lange? Es gibt häufig Konflikte? Über Trennung hast du schon einmal nachgedacht? Oder habt ihr euch sogar schon mal zeitweise getrennt?

 

Oft kommen Menschen zu mir, die sich in einer solchen Situation befinden. Häufig werde ich dann gefragt: „Sind unsere Beziehungsprobleme lösbar?“  Ich möchte dir hier zeigen, wie du deine Zuversicht stärken kannst. 

Denn ich höre diesen Wunsch zwischen den Zeilen dieser so oft gestellten Frage. Lies weiter, um neuen Mut zu finden und wieder handlungsfähiger zu werden.

1. Wie du die Zuversicht in dein Liebesglück erhöhst

Wenn du hoffnungsvoller werden und die Beziehungskonflikte als lösbar empfinden willst, dann prüfe doch zunächst einmal, wie groß deine Zuversicht aktuell ist. Stelle dir dazu die folgende Skala von 0 bis 10 vor. Schätze die Größe deiner Zuversicht ein, dass die Probleme lösbar sind. Die Null bedeutet, dass du gar keine Zuversicht in eine Veränderung empfindest. Die Zehn steht für deine höchstmögliche Zuversicht.

 

 

Wenn du für dich eine passende Zahl gefunden hast, dann denke nun darüber nach, was dich dazu bewogen hat, diese Zahl zu wählen.

 

Schreibe es jetzt direkt auf, denn das ist noch wirksamer. Das Notizblatt kannst du danach auch wieder vernichten, wenn dir das lieber ist. Der Schreibprozess dient nur dazu, dass dir noch mehr Ideen kommen, weil dadurch mehr Gehirnareale aktiv werden als beim bloßen Nachdenken.

 

Du fragst dich vielleicht jetzt, wozu das gut sein soll? Vielleicht kannst du dir vorstellen, dass die Chancen auf eine Problemlösung äußerst gering sind, wenn sich jemand auf der Skala bei Null einschätzt.

 

Ich gebe dir dazu ein kurzes Beispiel. Ein Mädchen sagt: „Mathe kann ich nicht, das lerne ich nie!“ Der Lehrer kann sich noch so sehr bemühen und richtig gut unterrichten, dieses Mädchen wird in Mathematik nicht gut abschneiden. Durch ihre Selbsteinschätzung und geringe Zuversicht wird sie sich nicht so stark anstrengen, weniger motiviert Aufgaben bearbeiten, nicht so offen für die Erklärungen des Lehrers sein usw. Und das hat natürlich Folgen.

 

In der Psychologie wird das auch als „sich selbst erfüllende Prophezeiung“ bezeichnet: Das, was du erwartest, wird auch eintreffen.   Im Umkehrschluss bedeutet das: je höher du dich auf dieser Skala einschätzt, umso größer ist die Chance auf eine positive gemeinsame Zukunft als Paar.

 

Wenn du dich mit den Gründen deiner Skalen-Einschätzung beschäftigst, werden dir deine Fähigkeiten und eure positiven Seiten in der Partnerschaft bewusster. Dadurch steigt deine Zuversicht automatisch schon etwas. Du kommst in eine positivere Denkweise. Das ist ein Perspektivwechsel: du betrachtest 'das Glas wieder eher als halb voll statt als halb leer'.

2. Wie du weniger hilflos und wieder mehr handlungsfähig wirst

Stelle dir nun eine neue Skala vor. Diesmal steht die Null für "ich bin überhaupt nicht mehr bereit etwas dafür zu tun" und die 10 für "ich will alles in meiner Macht stehende dafür tun", damit sich die Partnerschaft in eine positive Richtung entwickelt:

Wo schätzt du dich aktuell auf dieser Skala ein? Nimm dir einen Moment Zeit, um deine Zahl zu finden. Was hat dich dazu bewogen, diese Zahl zu wählen? Schreib auch das kurz auf.

 

Du kannst dir darüber noch klarer werden, indem du dich fragst, was so bleiben soll, wie es ist. Welchen Wert oder Sinn hat die Beziehung noch für dich? Auch das Gegenteil kann dir weiterhelfen: Welche Nachteile hätten für dich eine Trennung (z. B. Kosten und Stress durch Auszug, im Falle von Ehe oder Verpartnerung  die Anwaltskosten, Kontaktverlust zu bisher gemeinsamen Freunden oder zu Kindern, emotionale Belastungen durch Trauer, Rosenkrieg usw.)

 

Indem du deine Konzentration auf den Sinn der Beziehung und die Nachteile einer Trennung legst, verschaffst du dir wieder mehr Energie zur Veränderung. Auch dies ist ein Perspektivwechsel. Denn bisher warst du vielleicht so emotional tief im Problem gefangen, dass du nur noch die Belastungen gesehen hast. Das kann sehr erdrücken und die Kraft zur Veränderung nehmen. Durch deine Einschätzung auf der Skala stärkst du somit deine Fähigkeiten, etwas Positives in der Partnerschaft zu bewirken.

 

Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, so ist es der Glaube an die eigene Kraft.

 

(Marie von Ebner-Eschenbach)

 

3. Wie ein neuer Blick aufs Streiten dich hoffnungsvoller macht

Die Wirkung deiner Notizen kannst du noch vertiefen, indem du dich ab sofort darauf konzentrierst, welche Stärken du schon in vergangenen Konfliktsituationen gezeigt hast, die in irgendeiner Weise zumindest ein klein wenig hilfreich waren. Was sind deine Fähigkeiten, die du schon einmal in der Vergangenheit eingesetzt hast? Wie hast du schon in Konflikten mit anderen Menschen etwas Positives bewirkt?

 

Ich möchte dich damit einladen, mehr von dem zu tun, was dir gelingt. Dies bedeutet auch, sich von allem zu verabschieden, was sich als nicht hilfreich oder sogar negativ verstärkend gezeigt hat. Es ist schwer, aus gewohnten Verhaltens- und Kommunikationsmustern auszusteigen. Erleichtere es dir, indem du dich jetzt damit auseinandersetzt, was nach deinen Erfahrungen hilfreich ist und was du besser lässt. So bereitest du dich auf die nächste Konfliktsituation viel besser in Ruhe vor.

 

Dazu möchte ich dir ein Beispiel aus meiner Praxis geben. Wenn  mir in einer Paarberatung eine Person etwas Negatives über die andere Anwesende erzählen will, unterbreche ich sofort. Jemanden radikal ins Wort zu fallen oder sogar den Raum zu verlassen gilt normalerweise als unhöflich und verschärft Konflikte.  Aber in dieser Situation ist das anders. Ich schreite ein, damit niemand vor mir „schlecht gemacht“ wird. Denn ich weiß aus Erfahrung, dass dies nicht hilft, sondern die Gräben in der Partnerschaft nur vertieft. Ich empfehle dann ein anderes Vorgehen, um die Gefühle von Verletzung und das Bedürfnis nach Verteidigung zu lösen.

 

Mit diesem Beispiel möchte ich dir zeigen, dass alternative Verhaltensweisen möglich sind. Achte auf Situationen, in denen du eigene Bedürfnisse berücksichtigst und gleichzeitig in eine positivere Richtung gelangst. Denn mein Bedürfnis ist es, Paaren in Konflikten Anregungen zu hilfreichen Veränderungen zu geben. Dieses Bedürfnis berücksichtige ich, wenn ich beim Gespräch über die Probleme der anderen anwesenden Person nicht mitmache. Die Streitigkeiten werden dadurch nicht unterdrückt, sondern auf andere Weise angepackt.

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4. Deine nächsten Schritte zur Umsetzung und Vertiefung

Achte in den nächsten Tagen verstärkt darauf, in welchen Zeiten die Probleme weniger schwerwiegend auftreten. Beobachte ganz genau, was du selbst dazu beigetragen hast, dass dies geschehen konnte. Dabei geht es nicht darum, Konflikte unter den Tisch zu kehren, eigene Bedürfnisse und Wünsche zu unterdrücken.

 

Was tust du oder auch was unterlässt du in diesen positiveren Situationen? Schreibe es dir dann auf einen Erinnerungszettel oder ins Handy. Oder wähle irgendeine andere für dich passende Form, damit du dich zukünftig daran erinnerst und mehr davon tun kannst.

 

Welche Anregung aus diesem Artikel hat dich am stärksten angesprochen? Ich bin gespannt auf deinen Kommentar unter diesem Artikel.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Barbara (Montag, 03 April 2017 19:40)

    Danke - hat mir im Moment sehr geholfen - doch wieder Hoffnung zu haben.

  • #2

    Petra Ahrweiler (Montag, 03 April 2017 23:20)

    Hallo Barbara,
    es freut mich riesig, dass ich dir mit diesem Artikel wieder Hoffnung machen konnte. Meine Artikel fordern sehr zum Nachdenken heraus. Deine Reaktion zeigt, dass du dich sehr gut hinterfragen und reflektieren kannst. Damit besitzt du eine ganz wichtige Fähigkeit, um eine Veränderung bewirken zu können.
    Viele Grüße
    Petra