Beziehungsprobleme erkennen: Woran liegt es eigentlich?

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Beziehungsprobleme kochen über - erkenne sie!

Es gibt häufig Streit in deiner Beziehung. Aber der Grund dafür erschließt sich dir nicht.

 

Wie sollst du die Schwierigkeiten überhaupt lösen, wenn du das Problem nicht kennst?

 

Deine Sorge wird immer größer, weil du keinen Ausweg siehst. Das Wort „Trennung“ ist auch schon mal gefallen? Oder es stand schon unausgesprochen im Raum.

 

Ich zeige dir, wie du aus diesem Teufelskreis von Unverständnis und eskalierenden Konflikten aussteigen kannst.

Durch konkrete Hilfen erfährst du hier, was du in deiner Kommunikation und deiner Art des Zuhörens verändern kannst, um mehr gegenseitiges Verständnis zu erzielen und wie du der Lösung eurer Probleme deutlich näher kommst.

Ist der Satz „Ich verstehe überhaupt nicht, wo das Problem eigentlich liegt!“ schon öfter gefallen? Du warst verärgert oder genervt, als du ihn gesagt hast? Inhaltlich geht es dann in dem Streit um sachliche Argumentationen, um Fakten. Für dich sind es Kleinigkeiten, die eigentlich der Rede gar nicht wert sein müssten. Du verstehst nicht, weshalb sich dein/e Partnerin so aufregt. Das ist wie bei der Zahnpastatube, die „falsch“ ausgedrückt wird. Oder bei der Toilettenpapierrolle, welche immer falsch herum eingehängt wird.

Herzlichen Glückwunsch zu deinem ersten Erfolgsschritt!

Wenn du dich fragst, was eigentlich das Problem ist, dann hast du schon einen ganz wichtigen Schritt gemacht. Es geht nämlich gar nicht um die Zahnpastatube oder was immer es für eine „Kleinigkeit“ in deiner Beziehung sein mag. Etwas anderes steht dahinter: Gefühle und Bedürfnisse.

 

Und die können vielfältiger Natur sein. So kannst du sie näher ergründen: Welche Gefühle und Bedürfnisbefriedigungen gehören zu einer erfüllten und glücklichen Partnerschaft? Für mich sind das z. B. Aufmerksamkeit erhalten, Wertschätzung erleben, Nähe spüren, Vertrauen haben, zärtlich miteinander umgehen, lustvoll und gemeinsam Zeit miteinander verbringen, in anregender und aufregender Art füreinander da sein. Was ist das für dich? Und was denkst du, wie würde dein/e Partner/in diese Frage beantworten?

Streit über Kleinigkeiten und häufige Gereiztheit weisen darauf hin, dass diese Gefühle und Bedürfnisse in der Beziehung mittlerweile zu kurz kommen. Wenn dein/e Partner/in sich darüber aufregt, dass die Zahnpastatube wieder nicht aufgerollt, sondern von dir unförmig zerquetscht wurde, dann kann das z. B. bedeuten: Du achtest nicht auf das, was mir wichtig ist.

 

Natürlich bezieht sich das nicht nur auf die Zahnpastatube. Die Tube steht nur als Aufhänger für das Grundempfinden zur Beziehungsqualität. Und wenn ihr viele Schwierigkeiten bereits gemeistert habt, du schon so viel für deine/n Partner/in früher getan hast, passiert das trotzdem. Denn eine Beziehung ist kein Sparschwein, du kannst dich nicht auf vergangene Zeiten ausruhen.

 

"Wenn der Wind der Erneuerung weht,

 dann bauen die einen Menschen Mauern und die anderen Windmühlen."

 (Chinesische Weisheit)

 

Solche Schwierigkeiten treten nicht am Anfang einer Beziehung auf. Wenn du noch verliebt bist, trägst du ihr/ihm die Zahnpasta auf einem Silbertablett hinterher. Im Laufe der Beziehung verschwindet die „rosa Brille“ der Verliebtheit immer mehr. Es schleicht sich zunehmend Gewohnheit ein, alles wird selbstverständlich. Je länger die Beziehung währt, desto mehr „Beziehungspflege“ ist nötig.

 

Ihr tragt beide dazu bei, dass die Beziehungsqualität weiter den Bach runter geht: Eine Person durch das Aufgreifen eines solchen Aufhängers, und die andere durch die genervte Reaktion. Die verärgerte Reaktion bewirkt das Gefühl, nicht ernstgenommen zu werden. Das ist wie das Öl, was ins Feuer gelangt. Du stimmst mir ja sicherlich zu, dass auch das Ernstgenommen werden ein wichtiges Gefühl ist, um eine Beziehung als glückliche Partnerschaft wahrzunehmen.

 

Du fragst dich, weshalb dein/e Partner/in nicht einfach klar sagt, was Sache ist? Will dich dein Gegenüber damit ärgern? Nein, natürlich nicht! Deinem/deiner Partner/in fällt es genauso schwer wie dir, in Worte zu fassen, was hinter der Zahnpastatube steckt.

So gelangst du von der Problemfindung zur Lösung

Nimm also diese "Kleinigkeit" als etwas ganz Wichtiges wahr, denn du kannst diese Probleme als Chance ansehen. Bestimmt empfindest du selbst auch die Beziehung nicht mehr als so toll wie am Anfang. Überprüfe,  inwiefern gemeinsame Freizeitaktivitäten, befriedigende Sexualität, füreinander da sein, gemeinsame Lebensziele, Loyalität, gleiche Augenhöhe usw. für dich eine Rolle spielen, wenn du an eine richtig tolle Liebesbeziehung denkst. Nun schätze auf der nachfolgenden Skala deine Partnerschaft ein: 

 

Wenn du eine Zahl für deine aktuelle Empfindung gefunden hast, dann prüfe, auf welche Zahl du gern kommen möchtest.

 

Betrachte nun die „Aufhänger“ nicht als Problem, sondern als Chance, um zu deinem Ziel zu kommen. Dein/e Partnerin schenkt dir damit etwas, was dich an dein Ziel erinnern soll. Wenn es diese „Kleinigkeiten“ nicht gäbe, würde alles so weitergehen und die Gefühle in der Beziehung würden immer mehr von Langeweile, Gleichgültigkeit, Gewohnheit und Unzufriedenheit geprägt.

 

Wenn du dich darüber freust, dass wieder ein Signal zum Wachrütteln auftaucht, statt dich über die „Kleinigkeit“ zu ärgern, dann gehst du schon mit einer ganz anderen Stimmung die Problemlösung an. Und dies wird auch zum Erfolg beitragen, obwohl du das Problem an sich noch gar nicht kennst.

 

"Was eine Raupe das Lebensende nennt, nennen Weise einen Schmetterling."

 (Chinesische Weisheit)

 

Ich vermute, dass dir beim Lesen schon Einiges aufgefallen ist, was dir zeigt, dass Gefühle und Bedürfnisse in der Beziehung ebenfalls zu kurz kommen, die du dringend konkreter aussprechen solltest. Aber nun fragst du dich: Wie kann ein Gespräch gelingen, ohne noch mehr Streit hervorzurufen?

 

Dazu möchte ich dir Gesprächsregeln an die Hand geben, welche sich in der Kommunikationspsychologie als hilfreich erwiesen haben, um Konflikte zu klären und gegenseitiges Verständnis zu erzielen.

6 hilfreiche Regeln zur erfolgreichen Kommunikation

1. Prüfe zuerst: Willst du Recht haben? Oder willst du dein Gegenüber verstehen?

 

Eine erfolgreiche Klärung von Konflikten gelingt dir, wenn dein Ziel ist, dein Gegenüber besser zu verstehen. Frage neugierig, um herauszufinden, welche Gefühlen und Bedürfnissen deine/n Partner/in bewegt.

 

Bedenke dabei: Gefühle sind immer richtig! Wenn sich dein Gegenüber z. B. nicht beachtet gefühlt hat, dann sollstest du deiner/deinem Partner/in dieses Gefühl nicht absprechen. Bei der Kommunikation über Gefühle geht es nicht um richtig und falsch! Beides ist richtig: wie dein Gegenüber empfunden hat, und dass du etwas ganz anderes bewirken wolltest.

 

2. Sprich von dir statt über dein Gegenüber

 

Sprich in der Ich-Form, um Vorwürfe zu vermeiden. Hier ein Beispiel für eine vorwurfsvolle Du-Form: "Du hast mich verletzt, weil du dieses und jenes gemacht hast." Die Ich-Form klingt ganz anders: "Ich fühle mich verletzt, weil ich das so und so verstanden habe."

 

3. Werde konkret und vermeide Verallgemeinerungen

 

Wörter wie „immer“, „nie“, „ständig“, „dauernd“ usw. schüren Konflikte. Dein Gegenüber fühlt sich dadurch schnell herausgefordert, dir das Gegenteil zu beweisen. Schon bist du im Kampf darum, wer Recht hat.

 

Beschreibe stattdessen eine konkrete Situation, die nicht allzu lange her ist, und bleib bei dieser Situation.

 

4. Lass dein Gegenüber ausreden

 

Unterbrechen verstärkt Konflikte. Missverständnisse entstehen sonst in immer schnellerer Abfolge. Verstehen braucht Zeit, unterbreche deshalb nur, wenn dein Gegenüber sehr lange spricht und du den Faden verlierst. Dann kannst du eine reine Verständnisfrage stellen.

 

Halte deine eigene Sichtweise bzw. Stellungnahme noch zurück. Wenn du selbst unterbrochen wirst: weise höflich und wertschätzend darauf hin, dass du weiterreden möchtest, um Missverständnisse zu vermeiden.

 

5. Kläre erst, ob du richtig verstanden hast

 

Gib erst mit deinen eigenen Worten wieder, was du beim Gegenüber gerade verstanden hast. Lass dir dann eine Rückmeldung geben, ob es richtig und komplett bei dir ankam.

 

6.  Beschreibe erst nach der Verständnisklärung deine Sichtweise

 

Schildere erst jetzt deine eigene Sicht, wenn du die Bestätigung bekommen hast, dass du dein Gegenüber richtig verstanden hast. So vermeidest du Missverständnisse. Das Gespräch bleibt viel ruhiger und du nimmst das immense Tempo heraus, was für die Entwicklung in eine Eskalation so typisch ist.

So packst du jetzt direkt die Lösung der Beziehungsprobleme an

Überlege dir sofort einen passenden Ort und Zeitpunkt, um das Gespräch mit deinem/deiner Partner/in zu führen. Du kannst schon eine positive Wirkung erzielen, wenn die Wertschätzung deines Gegenübers durch die Wahl von Ort und Zeit deutlich wird. Wie wäre es z. B. mit Blumen oder Kerzen auf dem Tisch?

Der Zeitpunkt sollte so gewählt sein, dass dein/e Partner/in sich dann nicht gestresst fühlt und dir auch Aufmerksamkeit schenken kann.

 

Lege für dich jetzt ein konkretes Date fest. Überlege dir auch in Ruhe, ob es für den Erfolg des Gespräches hilfreicher ist, dieses Gespräch bei deinem/deiner Partner/in anzukündigen oder es lieber als Überraschung zu planen.

 

Welche der Kommunikationsregeln findest du am Wichtigsten? Ich brenne darauf, das von dir zu erfahren. Teile es mir hier unter diesem Artikel einfach im Kommentar mit. Um Spam zu vermeiden erscheint dein Kommentar erst nach meiner Freischaltung.

 

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Kommentare: 8
  • #1

    Tobias (Dienstag, 06 Juni 2017)

    Liebe Frau Ahrweiler,

    vielen Dank für diesen schönen und fundierten Artikel. Ich finde, dass er toll geschrieben und sehr praxisorientiert ist. Alle Anregungen sind sofort anwendbar und, wenn man es ernst meint, auch sofort wirksam. Das liest man selten.

  • #2

    Petra Ahrweiler (Mittwoch, 07 Juni 2017 09:53)

    Lieber Tobias,
    herzlichen Dank für dieses tolle Feedback, das freut mich riesig. Bedingt durch die Anrede antworte ich hier erstmal in der Sie-Form. (Ich orientiere mich immer am Wunsch meines Gegenübers, wer mag kann mich auch gern duzen.)
    Die Formulierung "wenn man es ernst meint" trifft super zu. Ich gebe eine Anregung, und Sie als Leser bekommen dadurch ordentlich etwas zu tun. Ihr Kommentar zeigt, dass Sie eine große Fähigkeit haben, sich auf ungewöhnliche Gedankenexperimente einzulassen. Das ist eine große Stärke, denn nicht jeder ist so offen für solche Anregungen. Die Wirksamkeit ist somit zu einem sehr großen Anteil Ihr Verdienst, auf den Sie stolz sein können.
    Viele Grüße
    Petra Ahrweiler

  • #3

    Alice (Mittwoch, 07 Juni 2017 20:59)

    Liebe Petra, Danke für diesen wunderbaren Artikel! Nicht nur das Thema ist spannend, sondern deine mir auch bekannten Situationsbeschreibungen. Du hast den "Beziehzngsalltag" sehr klar und wertschätzend mit guten Lösungen beschrieben. Ich teile diesen Artikel gern auf meiner Seite!

  • #4

    Petra Ahrweiler (Donnerstag, 08 Juni 2017 08:45)

    Liebe Alice,
    es freut mich wirklich sehr, dass du den Artikel so gut findest und ihn deshalb auch deinen Coaching-Klienten zur Verfügung stellen möchtest. Herzlichen Dank für dein tolles Feedback.
    Viele Grüße
    Petra

  • #5

    Mona (Freitag, 23 Juni 2017 22:21)

    Ist manchmal nocht einfach die Liebe weg ?

  • #6

    Petra Ahrweiler (Samstag, 24 Juni 2017 10:23)

    Liebe Mona,
    ich kann natürlich nicht ausschließen, dass manchmal "einfach die Liebe weg ist". Oft erlebe ich jedoch auch, dass die Liebe noch da ist und von unausgesprochenen Konflikten überdeckt wird, bis sie einfach nur nicht mehr verspürt wird. Nicht ohne Grund sagt der Volksmund auch "was sich liebt, das neckt sich". Liebe kann häufig wieder erlebt werden, wenn es zur Konfliktklärung kommt und Lösungswege für bisher unerfüllte Bedürfnisse und Wünsche gefunden werden.
    Viele Grüße
    Petra

  • #7

    Karsten (Dienstag, 01 August 2017 10:15)

    Hallo Petra,

    ein toller Artikel und so nah an der Wirklichkeit. Ohne Kommunikation kann ich keine Beziehung aufrecht erhalten. So wie du schon erwähnst, schleicht sich leider früher oder später immer mehr der Alltagstrott ein und gerade mit Kindern fehlt dann oft die Zeit für gemeinsame Stunden zu zweit. Und auch ich merke dann, dass ich bei kleinsten Dingen gereizt reagiere, wenn meine Bedürfnisse oder auch Zeit für mich über längere Zeit zu kurz gekommen sind. Aber gerade dann ist es, so wie du schon erwähnst, wichtig, dass Mann und Frau miteinander kommunizieren und durch gemeinsame Aktivitäten und Erlebnisse die Beziehung pflegen. Ich danke dir für die tollen Anregungen, die sich in der Praxis umsetzen lassen.

  • #8

    Petra (Dienstag, 01 August 2017 19:25)

    Hallo Karsten,
    ich danke dir sehr für deinen Kommentar. Genau, Paare sind ganz besonders gefordert, etwas für die Beziehungspflege zu tun, wenn Kinder da sind. Es ist äußerst wichtig, außer einer Familienzeit auch eine Paarzeit einzurichten. Ich freue mich sehr, dass du meine Anregungen auch gut umsetzbar findest. Es ist mir immer sehr wichtig, dass es nicht nur beim Nachdenken und Reden bleibt.
    Viele Grüße
    Petra