3 Gründe, weshalb ich mich für Beziehungsprobleme nicht schäme – und wie ich sie als Psychologin löse

Beziehungsprobleme
Beziehungsprobleme selbstbewusst klären

Schämst du dich, dass es in deiner Partnerschaft nicht mehr gut läuft? Du wolltest es immer anders machen als deine Eltern, die sich getrennt haben - und jetzt sieht es bei euch ganz ähnlich aus? Freunde und Familienangehörige denken noch immer, dass ihr ein Traumpaar seid? Keiner weiß, wie verletzend dein Partner bzw. deine Partnerin mit dir umgeht? Denkst du vielleicht schon an Trennung? Macht dir das Bauchschmerzen? Schläfst du kaum noch? Fragst du dich, wie du eine Trennung durchhalten könntest? 

 

Ich bin Psychologin und Paartherapeutin, und du wirst es vielleicht kaum glauben: auch ein Mensch mit Beziehungsproblemen. Hier erfährst du, wie ich selbst damit umgehe. Wie ich das Wissen meiner Ausbildung in meiner Partnerschaft (und auch in freundschaftlichen und familiären Beziehungen, in denen es mal Zoff gibt) hilfreich einsetze. 3 grundlegende Haltungen, für die sich viele Menschen schämen. Die du einer Psychologin vermutlich gar nicht zugetraut hättest. Welche aber äußerst wichtig und hilfreich sind, um Beziehungsprobleme erfolgreich zu lösen.

1. Weshalb du dich bei Unverständnis nicht schämen musst – und wie du etwas klärst

Auch ich verstehe manchmal etwas nicht. Und das ist mir überhaupt nicht peinlich. Klar, ich habe als Psychologin gelernt, auf eine andere Art zuzuhören. In 15 Jahren als Paartherapeutin habe ich gelernt, andere besser zu verstehen. In meiner Praxis habe ich erlebt, dass sich viele Beziehungen retten ließen, obwohl es zu einer großen Krise gekommen war. Trotzdem bin auch ich nur ein Mensch. Etwas falsch oder nicht zu verstehen ist normal. Und es hat eine positive Seite: Gespräche über unverstandene oder falsch aufgefasste Dinge zeigen, dass wir gerade dabei sind, uns gegenseitig besser kennen zu lernen. 

 

Es gibt ein weit verbreitetes Vorurteil: Gute Psychologen hätten keine Beziehungsprobleme oder würden sich nicht trennen. Beispielsweise wurde ich mal in einem Bewerbungsgespräch in einer Klinik gefragt, ob ich in einer langfristigen Beziehung sei. Der leitende Arzt begründete das so: Ich könnte Patienten bei ihren Beziehungsthemen nur weiterhelfen, wenn ich selbst in der Lage sei, eine stabile Beziehung zu führen. 

 

Dabei bestehen Beziehungen doch immer aus mindestens zwei Menschen – und jeder trägt seinen Anteil an Verantwortung für das Gelingen! Und Psychologen sollten niemals versuchen, die Therapeuten ihrer Partner zu sein - das lässt kein Partner mit sich machen. Ich bin also kein Übermensch, sondern habe ganz ähnliche Beziehungsprobleme wie du. Und doch mache ich oft was anders:

 

In den Gesprächen mit meinen Klienten gebe ich zunächst mit meinen eigenen Worten wieder, was ich verstanden habe. So kann mein Gesprächspartner mich korrigieren. Das mache ich auch privat, wenn ich den Eindruck habe: hier läuft gerade etwas falsch! 

 

Schwierig wird es, wenn ich mich von nahestehenden Menschen enttäuscht, verletzt oder nicht wertgeschätzt fühle – dann regt auch mich das sehr auf. Dann stehe ich mir oft auch selbst im Weg. Ich reagiere verärgert, ungeduldig oder resigniert. Das hilft niemanden. Meine Gefühle behindern mich, meinem Gesprächspartner überhaupt noch richtig zuhören zu können. 

 

Ich komme da raus, indem ich mich frage, was ich eigentlich will. Dann wird mir klar, dass ich z. B. mit einer verärgerten Reaktion nicht an mein Ziel komme: es gäbe Gegenwehr statt Verständnis.

 

Ich frage mich, warum sich mein Gesprächspartner so verhält, wie er es tut. Und ich befrage die Person. Echte Neugier im positiven Sinne steckt darin. Weil ich ein Mensch bin, der durch positives Denken geprägt ist. Ich will teilhaben am Innenleben des anderen. Das ist also eine sehr wertschätzende Art. 

 

Natürlich habe ich auch schon erlebt, dass sich jemand darauf nicht einlassen wollte. Vielleicht war es der falsche Zeitpunkt. Dann bin ich geduldig. 

„Man darf das Schiff nicht an einen einzigen Anker und das Leben nicht an eine einzige Hoffnung hängen.“ 

(Epiktet)

Aber wenn meine Grenzen erreicht sind und mein Gesprächspartner nicht bereit ist, sich zu hinterfragen, dann gehe ich meinen Weg alleine weiter. 

 

Wenn nur noch so wenig Hoffnung da ist wie es Wasser in der Wüste gibt – dann setze dich nicht traurig hin und verdurste, sondern gehe deinen Weg zur nächsten Oase. Das Unverständnis in der Partnerschaft kann dir klarmachen, dass du eine Kraftquelle für die anstehende Trennungsphase aufsuchen solltest.

2. Warum es gut ist, NICHT zu wissen, wie der Gesprächspartner die Beziehungsprobleme lösen kann

Hast du den Eindruck, genau zu wissen, was dein Partner bzw. deine Partnerin anders machen müsste? Sobald du es sagst, seid ihr im nächsten Streit gefangen? Dann analysierst du deinen Gesprächspartner. Du gehst davon aus, besser als diese Person zu wissen, was gut und richtig ist. Dein Gesprächspartner sieht rot wie ein Stier, weil du als belehrend wahrgenommen wirst. 

Gedankenkreisen loswerden

Deshalb stelle ich viel lieber Fragen, die mein Gesprächspartner als Anregung nutzen kann, um auf eigene Lösungsideen zu kommen. Ratschläge gebe ich nur, wenn ich den Eindruck habe, dass jemand gerade keine eigene Idee entwickeln kann. Der Ratschlag ist keine "Weisheit", sondern dient ebenfalls als Inspiration. Denn ich weiß nicht mehr als mein Gesprächspartner, wie sich Probleme - passend für diese Person - lösen könnten.

 

Manchmal bin ich etwas unbequem und lege einen Finger in eine Wunde. Doch ich will damit niemanden leiden lassen. Beziehungsprobleme sind für jeden Menschen eine Qual, da will ich nicht noch mehr hinzufügen. Es ist eine wertfreie Rückmeldung, wenn ich eine Vermutung habe, weshalb sich mein Gesprächspartner so verhält. Im Falle von Kritik bleibe ich bei mir. Ich frage mich ehrlich, was vielleicht dran sein könnte. 

 

Die Verantwortung für meinen Gesprächspartner übernehme ich nicht – auch bei Selbst- oder Fremdgefährdung nicht! Wenn mir jemand droht, sich selbst oder einer anderen Person etwas anzutun, dann handle ich. Dabei ist es egal, ob das jemand in meinem privaten Umfeld ist oder ein Klient in meiner Praxis. Im Falle von Selbstmordandrohung frage ich, ob ich zur nächsten Klinik begleiten soll. Bei Drohung mir oder einer anderen Person gegenüber: ob ich jetzt die Polizei rufen muss.

 

Wenn dein Partner oder deine Partnerin dir sagt, das Leben würde keinen Sinn mehr machen, wenn du dich trennst, dann lass dich nicht erpressen. Die Verantwortung für sein/ihr Leben trägst nicht du! Solltest du bedroht werden, dann sorge an allererster Stelle für dich! 

 

Als Partner/in kannst du die Therapeutenrolle nicht übernehmen. Dafür bist du viel zu sehr in der Beziehung verstrickt. Das kann nur eine Person übernehmen, die neutral ist. Wenn du dir Sorgen um deinen Partner bzw. deine Partnerin machst, dann bleib bei dir. Hole dir Hilfe durch Berater, Therapeuten, Ärzte, Polizisten usw. Versuche nicht, deren Job auch noch zu machen. 

3. Warum es nicht peinlich ist, mit Beziehungsproblemen überfordert zu sein, und was du dagegen tun kannst

Natürlich versuche ich alles, um gar nicht erst an diese Grenze zu kommen und mich selbst zu überfordern. Was dabei hilft? Die Vergangenheit lässt sich nicht mehr verändern. Ich konzentriere mich deshalb mehr auf die Gegenwart, um die Zukunft zu gestalten. 

 

Wenn die Emotionen hochschießen, dann ist verdammt viel Energie da. Das kann zu langem Streit führen. In meiner Praxis beschreiben mir Paare oft, dass sie bis zur Erschöpfung streiten. Eigentlich ist schon lange klar, dass sich das Gespräch im Kreis dreht. Keiner erwartet mehr, aus diesem Karussell heute noch auszusteigen. 

 

Nutze Pausen – und tue dir selbst damit etwas Gutes. Wenn ich merke, dass sich etwas im Gespräch wiederholt, nutze ich für mich eine Auszeit. Das ist nicht peinlich, weil es keine Schwäche ist, um Vertagung zu bitten. Es hilft auch meinem Gesprächspartner: innezuhalten, sich zu hinterfragen und vielleicht einen anderen Weg einzuschlagen. 

 

Auch in den Beratungen und Therapiesitzungen lassen sich nicht immer Beziehungsprobleme direkt in einer Sitzung lösen. Der Zeitbegrenzung des Gesprächstermins hilft einen Schnitt zu machen, wenn die Konzentration und Kraft aller beteiligten Personen schwindet. 

 

Übernehme im Falle einer gewünschten Pause selbst die Verantwortung dafür, wann das Gespräch weitergehen soll. Schließlich kannst nur du wissen, wann du wieder offen dafür bist. Und deinem Gesprächspartner signalisierst du damit auch deine Bereitschaft, dran zu bleiben und nichts unter den Teppich kehren zu wollen.

 

Hole dir Hilfe, wenn du nicht mehr weiterkommst. Kein Mensch kann alles alleine wissen. Jeder braucht mal eine Anregung von außen. Von einer neutralen Person, die emotional außen vor ist. 

„Wenn der Rat gut ist, spielt es keine Rolle, wer ihn erteilt hat.“

(Thomas Fuller)

Auch ich komme manchmal an meine Grenzen und weiß nicht mehr weiter. Bei privaten Problemen ich mich erst an Freunde gewendet. Half das nicht, habe auch ich eine Beratung genutzt. Das ist mir nicht peinlich, weil ich finde, jeder Psychologe sollte mal „auf dem anderen Stuhl“ in einer Therapiepraxis sitzen. Nur so kann man nachvollziehen, wie es sich anfühlt, dort zu sitzen.

 

Deshalb beinhalten die meisten Therapieausbildungen verpflichtende Anteile zur Selbsterfahrung. Im Grunde ist das ein anderer Ausdruck für Eigentherapie. Um die Qualität einer therapeutischen Leistung aufrecht zu erhalten, gibt es sogar eine spezielle Dienstleistung für Berater und Therapeuten: Supervision. Selbstverständlich nutze ich sie regelmäßig. 

 

Ich schreibe als Psychologin so offen darüber, weil ich weiß, wie viele Menschen sich immer noch schämen, Beziehungsprobleme zu haben. Klienten kommen aus einer anderen Stadt zu mir und parken in einer Seitenstraße, weil sie nicht gesehen werden wollen. 

 

Bestimmt hast auch du schon Paare erlebt, die sich plötzlich – für dich ganz unerwartet – getrennt haben. Die sich nicht getraut haben, Hilfe aufzusuchen. Bei denen dann auch noch der Rosenkrieg entbrannte. Lass es nicht so weit kommen, nimm all deinen Mut zusammen und sorge gut für dich!

Deine nächsten Schritte zu mehr Leichtigkeit im Umgang mit Beziehungsproblemen

 

  • Gib beim nächsten Auftreten von Beziehungsproblemen erst mit eigenen Worten wieder, was du verstanden hast. Gebe deine Sicht erst dann wieder, wenn dir deine Rückmeldung bestätigt wurde.
  • Frage dich, was du wirklich willst, wenn dich deine Gefühle überrollen. Schaffe so eine hilfreiche Distanz zu deinen Gefühlen, um „Kopf und Bauch“ in Ausgleich zu bekommen.
  • Interviewe deinen Partner bzw. deine Partnerin mit echter und wertschätzender Neugier.
  • Bleib bei dir, statt deinen Gesprächspartner zu analysieren. 
  • Übernehme Verantwortung für dich, nicht für deinen Partner bzw. deine Partnerin.
  • Bitte um eine Pause bei Gesprächen, wenn du das Gefühl hast, sie drehen sich im Kreis. Übernehme die Verantwortung dafür, wann das Gespräch fortgesetzt werden kann.
  • Wenn du schon mehr als 3 x das Gleiche probiert hast oder einfach nicht mehr weiterweißt: Sei mutig und hole dir Hilfe!
  • Überlege dir jetzt, wie du dich an diese Punkte optimal erinnern kannst (z. B. in dem du dir die Liste ausdruckst und sie in die Geldbörse oder das Tagebuch legst)

Gehe deinen Weg, jetzt!

 

Viel Erfolg dabei wünscht dir 

 

Petra Ahrweiler

 

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